Als Härri für sich Bilanz zog, konnte er feststellen, dass er in der Studienwoche sehr viel gelernt hatte. Er bedankte sich in der gemeinsamen Abschlussrunde ausdrücklich bei Miles und den Studierenden dafür, wobei seine Worte ehrlich gemeint und sorgfältiger gewählt waren, als die bei solchen Veranstaltungen üblichen Floskeln. Was er nicht erwähnte, war sein Gefühl, dass «seine» drei Studierenden nicht so dezidiert an der Malerei hingen wie einst Thea. Juan würde wahrscheinlich bald wechseln zu den Performerinnen, dachte er, oder gar ins Institut für Kunstvermittlung. Ihn interessierten offensichtlich partizipative Konzepte mehr als die einsame Arbeit im Atelier. Bei den beiden jungen Frauen, Alina und Zhara, bemerkte er noch viel Unsicherheit. Es schien noch völlig offen, wohin es sie einst ziehen würde, beide hatten aber auf die elektronischen Medien mit grosser Faszination reagiert. Härri nahm sich vor, nicht enttäuscht zu sein und es vor allem nicht persönlich zu nehmen, wenn sie abspringen sollten.
Er konnte es nicht mehr vor sich herschieben, er musste Sofia darüber in Kenntnis setzten, dass er vorhatte, sie über Weihnachten in New York zu besuchen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen gelang es ihm an einem späten Nachmittag, per Video Kontakt mit ihr aufzunehmen. Sie sah noch schlechter aus als beim letzten Mal, müde und vor allem sehr nervös, was Härri daran erinnerte, wie sie als Teenager gewesen war. Es fehlte noch, dass sie wieder Fingernägel kaute. Er spürte sein Herz klopfen, als er mit der Mitteilung herausplatzte, er werde in zwei Wochen bei ihr auftauchen. Sie sah ihn mit grossen Augen an, dann wanderte ihr Blick umher, kehrte wieder zurück. Ihre Stimmer war heiser, als sie fragte:
«Du weisst Bescheid? Hat dir Mama alles erzählt?»
Er nickte.
«Ja.»
«Ich weiss nicht, ob das eine gute Idee ist», sagte sie langsam. Und nach einer Pause fuhr sie fort:
«Du würdest genau auf die Schlussverhandlung hin ankommen. Die haben sie jetzt noch hineingewürgt vor Weihnachten, vielleicht auch wegen der Presse ...»
Härri spürte wieder seinen Nacken. Er hatte sich jegliche konkreten Gedanken an eine Gerichtsverhandlung verboten bisher, aber hier und jetzt war es klar: es half nichts. Seine Tochter würde bald vor den Richtern stehen, seine Sofia! Er versuchte es mit einem Satz, mit dem er zeigen wollte, dass er zu ihr stehe.
«Aber das ist doch gut. Ich möchte dich doch unterstützen ...»
Sie unterbrach ihn barsch.
«Ich weiss nicht, ob ich das will. Und du weisst es schon gar nicht! Sie werden da verkünden, dass ich in den Knast komme, Papa ...»
Ihre Stimme brach und sie begann zu weinen.
Härri wusste nicht mehr, wann er sie zum letzten Mal so gesehen hatte. Er hatte Angst, dass sie ihn abschalten könnte und begann, auf sie einzureden.
«Sofia ... Eumele ... Ich werde kommen, ich werde da sein, da kannst du machen, was du willst. Ich lasse dich nicht allein, hörst du? Nicht in dieser Situation. Niemand muss sowas alleine durchstehen, auch meine starke Sofia nicht ...»
Sie war aufgestanden und im Hintergrund verschwunden. Er meinte schon, er habe es verdorben und sie lasse ihn sitzen, als sie zurückkehrte mit einem Pack Papiertaschentücher. Mit zittrigen Fingern zupfte sie eines heraus und schnäuzte sich geräuschvoll. Dann versuchte sie ein Lächeln.
Sie hatte sich wieder gefangen und schien zu akzeptieren, dass ihr Vater sie aufsuchen und «unterstützen» wollte. Beide vermieden es, das Gespräch in die Nähe entscheidender Fragen zu lenken. Wie der Vater mit der Tatsache umging, dass sich seine Tochter krimineller Taten schuldig gemacht hatte, zum Beispiel. Sie begann ihn über den genauen Zeitpunkt seiner Ankunft zu befragen und wollte wissen, wie lange er bleiben könne. Zu seiner Unterkunft meinte sie:
«Ja, das ist gut, wenn du ein Hotel hast. Hier bei meiner Freundin kannst du nicht wohnen, da ist es zu eng. Aber das wird halt teuer, selbst in Brooklyn ...»
Härri erzählte ihr, dass er mit einem Kollegen aus seiner Berliner Zeit Kontakt aufgenommen habe, der in New York lebe. Er sei in den USA geboren und habe eine Wohnung und ein Atelier, in der Lower Eastside, das er aber im Moment nicht brauche und für das er einen Zwischenmieter suche.
«Ich werde die Reservation für die ersten zwei Nächte im Hotel stehen lassen und den Rest stornieren. Mein Kollege ist froh, wenn die Wohnung nicht leer steht. Er ist bereits in Europa für eine Ausstellung und meint, dass sich sicher kein Mieter bei ihm melden wird bis Mitte Januar. – Wo bist eigentlich du zuhause im Moment?»
«In der Upper Westside, ich schicke dir die Adresse, und auch die Nummer meiner Freundin, für alle Fälle. Sie heisst Ashley.»
Härri war daran, Sofia zu sagen, dass er sich trotz allem darauf freue, sie wiederzusehen und sich sicher nochmals melden werde vor seiner Abreise, als jemand an seine Türe polterte
Noah, natürlich! Mit seiner Nase für den richtigen Zeitpunkt. Härri liess ihn poltern und verabschiedete sich von seiner Tochter.
«Hau mir nicht die Türe kaputt!», rief er Noahs Silhouette zu, die hinter dem geriffelten Glas der Türe hin- und herschwankte wie eine Pappel im Wind.
«Bist du taub, Alter?» tönte Noah dumpf von jenseits der Tür. Dann, als Härri sie geöffnet hatte, drängte er schnaubend herein.
«Hnf! Hau! – Hab schon gemeint, du seist gar nicht da, wollte gerade weiter ...»
«Komm herein», sagte Härri. Er war aufgewühlt und nun froh darüber, dass Noah gerade jetzt auftauchte. Er hatte das Bedürfnis zu reden, und als für beide Kaffee gekocht war und Noah sich auf das Sofa gefläzt hatte, erzählte er ihm die ganze Geschichte über Sofia. Der unterbrach ihn mit Fragen, er wollte alles ganz genau wissen.
«Krass!», rief er schliesslich aus, mehrmals. Seine Stimme klang mitfühlend, als er meinte:
«Voll hart für dich als Papi! Mann!»
Aber dann plauderte er gleich weiter.
«Ich habe meinen alten Herrn immer ausgelacht, wenn er sich Sorgen gemacht hat wegen mir. Ich habe ja dauernd Mist gebaut. Aber gut, das ist schon ein anderes Ding ... Ein paar Millionen haben sie abgezweigt, deine Sofia und ihr Kumpel, das muss man sich mal vorstellen! Eigentlich Scheisse, dass sie erwischt wurden, hätten sich ein schönes Leben machen können in der Karibik oder ...»
Härri unterbrach ihn.
«Halt, Stopp, Noah! Das hier ist keine Netflix-Story. Es ist gut und richtig, dass man solche Leute erwischt, auch wenn es für sie nun sehr hart wird ...»
Er stockte.
«... und für mich auch, Herrgott!»
Sie hat Entzugserscheinungen, sie macht einen kalten Entzug!, dachte er plötzlich und sagte nichts mehr. Noah merkte, wie nahe Härri die Sache ging. Er begann, herumzurutschen, stand schliesslich auf und kam näher. Drückte Härris Arm.
«Sorry, Lukas, ich wollte nicht ... – Gehst du denn jetzt zu ihr? Nach New York, meine ich?»
Noah hatte ihn noch nie mit Vornamen angesprochen. Härri stand da und fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über die Augen. Dann hatte er sich wieder im Griff.
Er fragte Noah, ob er ihm den Briefkasten leeren könne in seiner Abwesenheit. Als dieser begeistert zusagte und wissen wollte, wo er die Post jeweils hinlegen solle, merkte Härri etwas zu spät, was er angerichtet hatte. Beim Gedanken, dass sich Noah mit seiner Freundin für zwei Wochen in seinem Haus einrichten könnte, war ihm unbehaglich. Er versuchte es mit Direktheit.
«Es ist nicht gemeint, dass du in der Zeit mit Milena zusammen hier einziehst, Noah. Ein-, zweimal ein Schäferstündchen ist OK. Aber ich will nicht, dass ihr mir das Haus abfackelt mit dem Ofen. Und ich möchte Milena kennenlernen vorher ...»
Noah schnappte nach Luft und Härri machte sich schon gefasst auf eine heftige Schimpfrede des Pubertierenden gegen die Vaterrolle, die er sich da angemasst hatte. Aber sie konnten sich nach kurzer, heftiger Diskussion darauf einigen, dass Härris Sorgen um sein Haus genauso berechtigt waren wie Noahs Bedürfnis, Vertrauen geschenkt zu bekommen. Seine Freundin Milena hatte er Härri sowieso bald vorstellen wollen.
Härri war schon lange nicht mehr eine so lange Strecke geflogen. Schon nach ein paar Stunden tat ihm alles weh und er musste immer wieder seinen schnarchenden Sitznachbarn aufwecken, um sich im Gang vor einer der seitlichen Türen die Füsse zu vertreten und ein paar seiner Übungen wenigstens anzudeuten. Die Lust, Filme anzuschauen oder zu lesen war ihm längst vergangen, an die kommenden Tage mochte er nicht denken. Also beschäftigte er sich mit den vergangenen.
Da-ra hatte ihm «viel Glück» gewünscht, als er sie vorsorglich um Urlaub bis zum Semesterbeginn gebeten hatte. Er hatte ihr nicht erzählt, dass er den Abschluss des Verfahrens gegen seine Tochter und damit wohl ihre Verurteilung miterleben würde, und sie hatte zum Glück nicht danach gefragt, was er in New York eigentlich wollte. Er wusste nicht, was er darauf hätte antworten sollen.
Eine grosse Freude war die Begegnung mit Noahs Freundin Milena gewesen. Ihr sonniges Wesen hatte in erstaunlichem Kontrast gestanden zu ihrem düsteren Kostüm. Sie lachte viel und liebte es, ihre Umgebung zum Lachen zu bringen, mit schräg witzigen Sprüchen. Härri hatte besonders gefallen, wie sie mit Noah umging. An dessen lauteste Ticks hatte sie sich noch immer nicht gewöhnt, was sie offen zugab. Aber sie nahm es hin als Teil von ihm. Sie bewunderte ihn für seine grosse Neugier, sein Interesse für alles mögliche. «Gebildet» sei er, und «gescheit», aber sie müsse ein wenig auf ihn aufpassen, vertraute sie Härri an. Er mochte sie sofort und war jetzt einigermassen beruhigt, was sein Haus betraf. Solch angenehme Gedanken liessen ihn schliesslich trotz des Lärms einschlafen.
Als er wieder aufwachte, waren es nur noch zwei Stunden bis zur Landung auf dem JFK-Flughafen. Härri fror und war froh, einen heissen Kaffee zu bekommen. Der Himmel war wolkenlos und unter ihm glitt ein Muster aus weiss schimmernden Eisflächen vorbei, die auf dem tiefblauen Meer schwammen und von denen man unmöglich wissen konnte, wie gross sie waren. Weiter weg war eine eisfreie Wasserstrasse, dahinter eine felsige, flache und gerade Küstenlinie. Härri befragte das kleine Flugzeug, das sich langsam ruckelnd über die Karte auf seinem Bildschirm bewegte. Sie mussten sich auf der Höhe von Neuschottland befinden. «Mit einem Wolkenüberschlag», so hiess es im chinesischen Roman, konnte Sun Wukong eine Strecke wie diese überwinden, die ihn nun noch von New York und von Sofia trennte.
In den Tagen bis zur abschliessenden Verhandlung vor dem Bundesgericht, im D. P. Moynihan US Courthouse im südlichen Manhattan, war Sofia unausstehlich, wie Härri sich eingestehen musste. Er sass im überheizten Wohnzimmer von Sofias Freundin Ashley Ferguson, an der westlichen zweiundsiebzigsten Strasse. Das Haus war eingerüstet und wurde renoviert, zwischendurch waren die Schlagbohrmaschinen und elektrischen Meissel so laut, dass man sich kaum verstand, wenn man nicht die Stimme erhob. Sofia hatte sich im Bad eingeschlossen und Ashley brachte Härri einen Tee. Als sie die Tasse hingestellt hatte, sah sie ihn hilflos an und hob entschuldigend die Schultern.
«Sie können sicher nichts dafür», sagte Härri. «Ich bin Ihnen sehr dankbar für alles, was Sie und Ihre Eltern für meine Tochter tun – und schon getan haben. Ich weiss gar nicht, wie ich ...»
«Sie ist meine Freundin», stellte Ashley fest. «Wir haben zusammen angefangen an der Wall Street, und sie hat mir sehr geholfen damals. Ich war immer unsicher, viel zu zögerlich für den Job. Sie war stark, mutig. Und hat mich ermutigt. Hat mir die Angst genommen vor dem Haifischbecken. Sie konnte sowas.»
Ashley war etwa gleich alt wie Sofia, etwas über dreissig. Ihre Eltern waren wohlhabend und besassen einige Immobilien an der Westküste. Auch die Wohnung, in der Ashley alleine lebte, gehörte ihnen. Sie war etwas altmodisch und ohne erkennbaren Geschmack eingerichtet, wie Härri fand. Gefüllt mit einem Sammelsurium aus Möbeln verschiedenster Stile, mit dekorativen Bildchen, die einen Teil der Wände bedeckten. Mit wuchtigen messingenen Vorhangstangen, von denen cremefarbige, glitzernde Stoffbahnen herunterhingen. Der Parkettboden war eigentlich schön, aber viel zu dick lackiert, und Ashley hatte panische Angst vor Kratzern. Man musste Filzpantoffeln tragen in ihrer Wohnung. Sie selbst war dunkelhaarig und auf eine amerikanische Weise hübsch, dabei sehr konventionell frisiert, geschminkt und gekleidet, womit sie Härri an Filmfiguren aus den 1960er-Jahren erinnerte. Auch die mädchenhaft hohe und etwas schrille Stimme passte dazu. Aber ihre Güte und Hilfsbereitschaft schienen unerschöpflich. Sie war so erzogen worden. Ihre Eltern hatten die eine Hälfte der Kaution bezahlt, die es Sofia ermöglicht hatte, auf halbwegs freiem Fuss zu bleiben, was Härri noch mehr beschämte als die Tatsache, dass die andere Hälfte von Carmela aufgebracht worden war. Ob Sofia diese Darlehen je würde zurückzahlen können, war offen. Immerhin hatte er seiner Frau in Aussicht gestellt, ebenfalls einen Anteil zu übernehmen, egal, wie sich Sofias weiterer Weg entwickeln würde.
Sofia ging es schlecht. Sie litt unter dem Versuch, ihre polytoxicomania, wie Ashley es bezeichnete, selber loszuwerden. Die Freundin hatte Sofia mit sehr viel Nachdruck dazu bringen können, wenigstens eine Ärztin beizuziehen bei ihrem Entzug, was eine gewisse Entlastung durch begleitende Gespräche und hie und da auch Medikamente mit sich brachte, mit denen die Symptome gelindert werden konnten. Ashley hatte Härri im Vertrauen mitgeteilt, dass seine Tochter die Strapazen auf sich nehme, weil sie höllische Angst davor habe, den Strafvollzug als Drogenabhängige anzutreten. Solche Sachen musste Härri erfahren! Und obwohl er es gar nicht wissen wollte, wurde ihm eine ganze Liste von Substanzen aufgezählt, mit denen sich seine Tochter in den vergangenen zwei Jahren aufgeputscht, wieder heruntergeholt, zugedröhnt, dann wieder freigestrampelt hatte von Angst und Schmerz. Dass solches Tun an der Börse weit verbreitet sei, tröstete Härri nicht im Geringsten. Er stand vor einer geschlossenen Badezimmertür in der Upper Westside von New York City und wollte seine Tochter dazu bringen, wieder herauszukommen.
Am Morgen des Verhandlungstags erwachte Härri vom Gedudel seines Handy-Weckers. Es war fünf Uhr dreissig und er hatte das Gefühl, noch ewig weiterschlafen zu müssen. Er befand sich in der Wohnung seines Kollegen an der Orchard Street, in die er vor ein paar Tagen umgezogen war. Und weil er wegen dem Jetlag und den Sorgen um Sofia kaum geschlafen hatte, seit er in New York war, hatte er am Vorabend eine halbe Schlaftablette geschluckt, auf die er im Medizinschränkchen des Badezimmers gestossen war. Er hatte lange gezögert und den Zettel in der Schachtel sorgfältig durchgelesen. Schliesslich aber hatte sein Schlafbedürfnis gesiegt. Nun brummte sein Schädel und er hatte einen Riesendurst. Er stellte sich unter die Dusche und mischte das Wasser stufenweise zu kalt, bis er schliesslich, japsend und krebsrot, genug hatte, den Hahn zudrehte und sich ein Tuch langte. Als er das Fenster öffnete, kam eisige Luft herein. Er würde sich warm anziehen müssen für den Fussmarsch zum Gericht.
An einer Strassenecke bekam er einen Pappbecher mit Kaffee, dazu einen ziemlich fettigen Gipfel. Er war noch viel zu früh dran, darum schlug er den Kragen hoch, wickelte seinen Schal neu und nahm den Umweg durch China Town. Trotz der Kälte und einem Himmel, der nach Schnee aussah, waren schon viele Menschen unterwegs. Ladenbesitzer öffneten mit Getöse ihre vollgesprayten shutters, andere wischten den Abfall der Nacht zusammen. Aus den Garküchen roch es schon streng nach angebratenem Fleisch und Sojasauce. Härri ging durch verkehrsbefreite Strässchen unter Girlanden aus gelben und grünen Lampions, der Asphalt war mit bunten Mustern bemalt. Nicht überzeugend, wie Härri fand. Touristen waren aber noch keine zu sehen. Als er von weitem den Turm des Gerichtsgebäudes sah, suchte er auf der Karte seines Handys das kleine Lokal, in dem er sich vor der Verhandlung mit Sofia und Ashley treffen wollte. Als er es schliesslich fand, waren sie schon wieder am Gehen. Sofia wirkte gefasst. Hoffentlich nicht wegen irgendwelcher Medikamente, dachte Härri. Seine Tochter hatte sich geschminkt und war dezent schick gekleidet.
«Wir sehen uns nach der Verhandlung», sagte sie, «Am besten wieder hier, etwa eine Stunde nach Ende. Ich werde versuchen, die Presse zu umgehen.»
«Vergiss es, das wird dir nicht gelingen», entgegnete Ashley.
«Wir werden sehen ...»
Dann, nochmals an Härri gewandt, sagte sie eindringlich:
«Ich werde nicht zu dir schauen, Papa. Und bitte verhalte dich auch unauffällig, sonst gehen die Medienfritzen auch auf dich los. Noch weiss niemand ausser Ashley und mir, dass du da bist. Dass es dich überhaupt gibt.»
Dann, ganz leise:
«Zum Glück gibt es dich, drück mir die Daumen, Papa!»
Härri trat zögernd auf sie zu, und als er sah, dass sie nicht zurückwich, nahm er sie fest in die Arme. Sie klammerte sich an ihn, dann stiess sie sich ab, drehte sich um und ging. Ashley rannte ihr nach.

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